Was ist nur los?

Lesezeit: 5 Minuten

Wie ich in meinem letzten Blogbeitrag schon erzählt habe, sorgte ein kleines Video zu arbeitsrechtlicher Regelung für großes Interesse an meinem Instagram-Account. Mittlerweile folgen mir seit dieser Zeit inzwischen über 3.800 Menschen. Das mag im Vergleich zu erfolgreichen Influencern verschwindend gering sein. Wer jedoch schon einmal versucht hat mit Themen, die nicht ausschließlich auf Gesundheit, Ernährung, Urlaub, Tiere und Kinder basieren und mit entsprechenden bearbeiteten Fotomotiven werben, wird feststellen, dass er es nicht ganz leicht hat, das Interesse bei Usern zu wecken.

Nun könnte man glauben, dass meine heutige Überschrift bereits auf diesen Umstand hinweist, doch dem ist nicht so. Denn mit der Anzahl der folgenden Menschen steigen auch die Geschichten, die mir aus den Betrieben, Unternehmen und Einrichtungen aus ganz Deutschland erzählt werden. Vom Großkonzern zum Kleinunternehmer, von der Lebensmittelkette über zur sozialen Einrichtung. Und hier entstand in den letzten Tagen die Frage: „Was ist denn hier bloß los?“

Selbstverständlich kenne ich aus der eigenen Praxis viele Beispiele von erschreckender Mitarbeiterführung, Mobbing, Drohung oder Erpressung und den Folgen daraus. Nicht zuletzt Gründe, mich damals als Betriebsratsvorsitzende wählen zu lassen und  mein Studium für Personalmanagement mit einer Business Coach Ausbildung zu ergänzen.

Mir wurde in der Funktion als Betriebsratsvorsitzende einmal vorgeworfen, ich würde immer nur das Negative sehen und die negativen Geschichten gerade auch über Führungskräfte und Leitungsteams erzählt bekommen, weil das allein in der Natur der Sache begründet wäre.

Was wäre ich jedoch für eine Persönlichkeit und auch Coachin, wenn ich nur eine Seite hören würde? Zu meinem Selbstverständnis gehört es, unvoreingenommen in Situationen zu gehen und beiden Seiten zuzuhören und den Blick hinter die Kulissen zu machen.

Genau das wird in den Coachings und Mentorings oft als überflüssig erachtet, weil es natürlich Zeit kostet. „Wenn ich Ihnen sage, wie es ist, dann muss das doch reichen!“

Wertvolle Zeit, in jeder Hinsicht. Nämlich sowohl im Sinne der Finanzen als auch im Sinne der Problemlösung! Denn nicht jede Befindlichkeit ist ein Problem, das „schweres Geschütz“ braucht. Manchmal braucht es nur mehr gegenseitiges Verständnis, z. B. dass auch die Kollegen oder der Chef nicht nur eine dienstliche Person ist, sondern ebenfalls auch Privatperson und mit Regelungen und Auswirkungen der Corona-Pandemie kämpft.

Im überlasteten Alltag stehen dann nur noch begrenzte Kraftreserven zur Verfügung und schließlich ist sich nur noch jeder selbst der Nächste und nimmt sich letztlich nicht mehr die Zeit hinter die Fassade des anderen zu blicken, Freundlichkeiten bleiben auf der Strecke und die Wahrnehmung, wo das eigentliche Problem liegt, sieht keiner mehr.

Wie oft fragen Sie noch: „Wie geht es dir / Ihnen?“ Hören Sie dann auch zu?
Wie oft antwortet der andere: „Alles gut, muss ja?“ Hier geht der andere schon davon aus, dass Sie es sowieso nicht wissen wollen. Haben Sie Ihr Gegenüber mal überrascht und gefragt: „…und, wie geht es dir wirklich?“

Wie bedauerlich, wie oberflächlich wir mittlerweile miteinander umgehen, uns selbst ins Zentrum gesetzt haben und gerne als Maß der Dinge betrachten. Gleichzeitig bedauern wir eine gesellschaftliche Verrohung, Teams brechen auseinander und gerne ist dann zu hören: „Früher war alles besser!“

Schon manche große Auseinandersetzung hat sich auch aus Unwissenheit über Arbeitsrechte und -pflichten ergeben. Aktuell in meiner Praxis in Kindertagesstätten aufgetreten. Unklare Absprachen oder ein „DuDu“, bei dem es anschließend weitergeht wie bisher, machen oft den Eindruck, dass ein Mitarbeitender etwas darf, das einem anderen nicht erlaubt ist.

Es wird auch immer unterschiedliches Anspruchsdenken und unterschiedliche Formen Pflichterfüllungsdenken geben. Hier braucht es klare Regeln und Folgen. Wie ist das mit dem Arbeitsbeginn, z. B. um 8 Uhr? Reicht es, wenn ich um 8 Uhr durch die Tür getreten bin? Muss ich dann bereits einsatzbereit am Arbeitsplatz sitzen oder stehen? Was ist vorgegeben?

Wenn es an klaren Regeln fehlt, treffen viele Menschen mit vielen Meinungen aufeinander und die Auseinandersetzung ist vorprogrammiert.

Es ist kein Geheimnis, dass ich viel Schulungsbedarf bei der Führung von Teams oder im Rahmen von Unternehmensführungen sehe. Nicht selten höre ich Sprüche wie: „Wir sind hier nicht in der Luschen-Selbsthilfegruppe“ oder „Ich kann ja nicht jeden Mitarbeitenden an die Hand nehmen und Tränen trocken, wenn’s mal nicht gut läuft“.

Können Sie nicht oder wollen Sie nicht?
Die Babyboomer, die eine Ausbildung gemacht haben und dann in dem Job bis zum Renteneintritt gearbeitet haben, ob es Spaß gemacht hat oder nicht, ob sie schlecht behandelt wurden oder nicht, sind in den nächsten Jahren weg vom Arbeitsmarkt!

Die Zeit ist schnelllebig und Jobs unentwegt in der Veränderung. Hier wird von Mitarbeitenden erwartet, sich ebenfalls schnell anzupassen, jede Veränderung mitzutragen, sich lebenslang selbständig fortzubilden und aktiv zu sein. Das macht Angst und verunsichert, hier braucht es ein Einhaken und Mitnehmen der Mitarbeitenden. Ein WARUM!

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Sie Ihre Mitarbeitenden verlieren, zu innerer Kündigung und schlechter Leistung führen bei Top-Down-Entscheidungen und autoritärem Führungsstil. Allerdings gibt es weit mehr Gründe, die ebenfalls dazu führen.

Wussten Sie, dass Ihre fleißigsten und zuverlässigsten Mitarbeitenden, die sind, die gleichzeitig am wenigsten veränderungsfreudig sind bis nahezu ängstlich auf Veränderungen reagieren? Gut, wenn Sie wissen, wen Sie hier besonders im Auge behalten müssen!

Autoritäres Richtung vorgeben, kontrollsüchtig die Arbeit von Mitarbeitenden sowie deren Arbeitszeiten beäugen und keinen Spielraum für Veränderung oder Eigeninitiative zulassen wird Sie langfristig unternehmerisch schädigen, auch wenn Sie genau das Gegenteil damit erreichen wollen.

Allerdings wirkt auch ein anderer Führungsstil zur Zerstörung von Teams oder Abteilungen. Oft selbst Mitarbeitender gewesen und in die Leitung befördert, aber vom Naturell kein Menschentyp mit Führungsleidenschaft. Hier wird ständig versucht der Freund des Teams oder der Mitarbeitenden sein zu wollen.

Diese Leitungen verzeihen, wo arbeitsrechtliche Regelungen normalerweise kein Verzeihen zulassen. Es wird inkonsequent gehandelt und damit Verwirrung, hinter dem Rücken reden und Lästern gefördert. Am Ende steht hinter gut gemeintem manchmal ebenfalls Verletzungen von arbeitsrechtlichen Regelungen, wenn spontan nach Hause geschickt wird ohne Absprache, weil ja schon Überstunden angefallen sind.

Wussten Sie, dass es auch hier Rechtsprechung gibt, dass Sie dem Mitarbeiter eine angemessene Zeit vorher (2-3 Tage) mitteilen müssen, dass er Überstunden „abbummeln“ soll?

Für Unternehmensleitungen ist es unabdingbar, dass in die Führung Menschen gesetzt werden, die hierfür menschentyp- bedingt auch in der Lage sind und auf die heutigen Anforderungen an eine Führungskraft geschult sind. Und es gibt diese Unternehmen, die damit auch sehr erfolgreich sind.

Wer glaubt, dass es bei mitarbeiterorientierter Führung darum geht, Tränen zu trocknen und die Labilen und Schwächeren im Team zu stärken, weiß leider noch nicht, worum es wirklich geht. Der reine autoritäre Führungsstil sorgt ebenso wie der laissez faire Führungsstil dafür, dass Sie Ihre besten Mitarbeitenden, Ihre A-Mitarbeitenden, verlieren. Mitarbeitende, die Ihr Team und Ihr Unternehmen maßgeblich mit voran bringen und Ihre soliden Mitarbeitenden verunsichern.

Oft auch zu beobachten, dass bei laissez fairer Führung, Mitarbeitende der zweiten Reihe das Zepter übernehmen und die Regeln aufstellen. Hier wird der Vorgesetzte gern mal übergangen oder vor vollendete Tatsachen gestellt. Selbst wenn es die Führungskraft noch als Unterstützung sieht und kein Problem damit hat, so wird hier wiederum im Team Missgunst, Unfrieden und Lästereien im Team gefördert.

Kein Wunder, wenn mir Mitarbeitende von Ihrem Job erzählen und über mangelnde Wertschätzung, Überlastung, Ungerechtigkeit, einem rauem Tonfall klagen und bereits mit Burnout und Tinnitus kämpfen.

Eine, die die Entwicklung ebenfalls aus der Praxis kennt ist die psychologische Beraterin und Tinnitus-Expertin, Heidi Gilgert von helloinnersmile_coaching. Mit ihr bin ich zu diesem Thema am Montag, 25.10.21 ab 19 Uhr im Instagram-Live-Gespräch.

In vielen Erzählungen ist die Rede von Pausen, die nicht genommen werden können und dürfen, weil man schließlich unterbesetzt ist und der Job es eben nicht her gibt. Eine Leiterin sagte einmal zu mir „Augen auf bei der Berufswahl. Wenn ich Pausen will, muss ich mir einen Job suchen, bei dem sie möglich sind“.

Das sind Momente, in denen man mich durchaus auch mal sprachlos sieht.

Wussten Sie, dass es Rechtsprechung gibt zur Bezahlung von Pausen, die durchgearbeitet werden?
Zwei Verfahren, in denen eine Verkäuferin und eine Pflegekraft geklagt hatten, weil sie keine Ablösung erhielten und zur Arbeit in den Pausen verpflichtet wurden, genau aus dem Grund, weil kein Ersatz vorhanden war.

Das kann teuer werden, wenn Sie die letzten Monate oder Jahre die Pausen als Lohn auszahlen müssen!

Es macht auch dahingehend keinen Sinn, weil die Mitarbeitenden irgendwann psychisch und körperlich am Ende ihrer Kräfte sind und längerfristig ausfallen werden.  Genau das schreiben und erzählen mir viele Mitarbeitende, die bereits im Burnout gelandet sind, obwohl sie eigentlich für ziemlich tough gehalten haben. Aber irgendwann ist eben Feierabend.

Dinge, die als mangelndes Führungsverhalten begonnen haben, enden vielfach nicht nur in großer Mitarbeiterunzufriedenheit, sondern auch einer erhöhten Fluktuationsrate, einem erhöhten Krankenstand bis hin zu finanziellen Schädigungen wegen arbeitsrechtlicher Unkenntnis.

Wenn Sie sich als Führungsverantwortlicher sowohl rechtlich als auch führungstechnisch besser aufstellen wollen und damit nicht nur sich selbst entlasten, sondern auch für ein besseres und erfolgreicheres Zusammenarbeiten sorgen wollen, dann kontaktieren Sie mich gerne und wir reden darüber, wo genau Ihre Herausforderungen im Miteinander mit Ihrem Team oder in der Führungsverantwortung liegen.

Sie sind offen für neues Wissen zu mitarbeiterorientierter und typgerechter Führung oder tatsächlich haben Sie gerade festgestellt, dass arbeitsrechtlich ein paar Fragen aufgeploppt sind, aber Zeit ist Geld und beides ist knapp?
Kein Problem, denn ich bin bekannt für ziel- und lösungsorientiertes Arbeiten und Zeitverschwendung liegt mir nicht im Blut.

Lassen Sie uns schauen, ob es passt und ob Ihnen für arbeitsrechtliche Regelungen bereits eines meiner Webinare reicht, ob Sie einen Workshop benötigen oder das 1:1 Coaching für Sie persönlich die beste Alternative ist.

Klicken Sie sich durch die Angebote oder folgen Sie mir bei Instagram und fragen Sie mir gerne „Löcher in den Bauch“.

Wie ein Freund immer so schön sagt: „Hauptsache Du tust etwas! Alles ist besser als Nichts.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen den Willen, Dinge und Situationen verbessern zu wollen und sich mit aktuellen Gegebenheiten nicht abzufinden!

Sollten Sie sich Unterstützung wünschen, wissen Sie hoffentlich, wie Sie zu mir Kontakt aufnehmen können 😉

Ihre Dagmar Westphal

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